
Woher kommt die syntropische Agroforstwirtschaft?
Der Schweizer Forscher Ernst Götsch entwickelte die Idee der syntropischen Agroforstwirtschaft in den 1980er Jahren in Brasilien. Als Genforscher war seine Aufgabe eigentlich, Pflanzen an schwierige Umweltbedingungen anzupassen. Doch er stellte sich die Frage andersrum: Wie können wir Bedingungen schaffen, in denen Pflanzen von selbst gedeihen, anstatt sie an schlechte Bedingungen anzupassen? Dabei lernte er viel von indigenem Wissen und natürlichen Ökosystemen – und entwickelte daraus ein System, das mit und nicht gegen die Natur arbeitet.
Das Prinzip
Die syntropische Agroforstwirtschaft stellt sich die Frage: Wie können wir unsere Lebensmittel regenerativ herstellen?
Wir sehen die Antwort im Aufbau lebendiger Böden – und das geschieht durch Photosynthese. Je mehr Pflanzen in einem System wachsen, desto mehr Energie fließt ins System. Um Photosynthese zu maximieren, setzen wir also auf hohe Pflanzendichte, organisiert durch Sukzession und Stratifikation. Sukzession beschreibt die zeitliche Abfolge von Pflanzen- und Tiergemeinschaften an einem Ort, Stratifikation die räumliche Schichtung von Pflanzen mit unterschiedlichen Lichtbedürfnissen. So entsteht ein System, das natürliche Prozesse nachahmt: divers, resilient und regenerativ.


Unsere Rolle
Im syntropischen Agroforst ist die Landwirtin Teil des Systems, nicht außerhalb davon. Unsere Aufgabe ist es, die Sukzession voranzutreiben – wir sind Teil des Motors der Erneuerung. Wie ein Bär, der auf einem Apfelbaum sitzt und Äste abbricht, um an die Äpfel zu kommen, fördern wir durch gezieltes Schneiden und Pflegen neues Wachstum. Jeder Eingriff setzt Wachstumsimpulse frei, die Pflanzen, Tiere, Pilze und Mikroorganismen stärken. Die Landwirtin wird so zur Mitgestalterin lebendiger Kreisläufe – sie unterstützt die natürlichen Prozesse und bringt das System in Schwung.

Warum brauchen wir das überhaupt?
Klimawandel, Dürre und Ernteausfälle zeigen: So wie bisher kann Landwirtschaft nicht weitergehen. Die syntropische Agroforstwirtschaft bietet eine resiliente und unabhängige Form der Lebensmittelproduktion, die ohne externe Ressourcen und lange Lieferketten auskommt. Dabei entstehen intakte, artenreiche Ökosysteme, die gesunde Böden, sauberes Wasser und nährstoffreiche Lebensmittel hervorbringen. So schaffen wir eine Landwirtschaft, die Krise in Wachstum verwandelt – und unser aller Zukunft möglich macht.
Hof vErde als Nestprojekt von TERRA Network
Hof vErde ist Teil des TERRA Network – einem internationalen Zusammenschluss von Hofprojekten, Lernorten und Menschen, die sich für die syntropische Landwirtschaft einsetzen. TERRA unterstützt Projekte dabei, neue Wege zu gehen: hin zu gesunden Böden, lebendigen Ökosystemen und einer Landwirtschaft, die wieder im Einklang mit der Natur steht.
Als sogenanntes Nestprojekt von TERRA sind wir ein Ort, an dem diese Ideen ganz praktisch umgesetzt werden. Auf unseren Flächen entstehen syntropische Agroforstsysteme, die auch als Orte des Austauschs mit anderen Expert:innen aus dem Netzwerk fungieren. Wir sind eng mit anderen TERRA-Projekten verbunden, tauschen Erfahrungen aus, lernen voneinander und wachsen gemeinsam weiter.
So verstehen wir uns als Teil einer größeren Bewegung – lokal verwurzelt und doch international vernetzt.

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